Gitarre Stimmen in weniger als 60 Sekunden

Wenn man die Saiten einer Gitarre nicht laufend stimmt klingt diese früher oder später ziemlich schräg. Am besten das Instrument ist immer akurat gestimmt. Wie man eine Gitarre stimmen kann, was man wissen muss und was man besser sein lässt, verraten wir in dieser ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitung mit jeder Menge Tipps und Infos.

Wie oft muss man eine Gitarre stimmen?

Eine klassische Anfängerfrage ist, wie oft man eine Gitarre stimmen muss. Die Antwort auf diese Frage ist recht simpel. Man muss das Instrumen laufend stimmen. Eine Faustregel gibt es leider nicht und so muss man sich auf seine Ohren oder das Stimmgerät verlassen. Gerade Einsteiger hören oft noch nicht so gut heraus, wann die Gitarre verstimmt ist. Schon gar nicht, wenn nicht nur einzelne Saiten ihre Tonhöhe verändern (in der Regel nach unten) sondern alle in einem ähnlichen Umfang – was nicht so schlimm ist.

Neue Gitarrensaiten muss man oft unmittelbar nach dem Aufziehen – obwohl man sie gerade erst gestimmt hat – meist mehrfach nachstimmen. Die ersten ein bis zwei Stunden werden sie in gewisser Hinsicht ein musikalisches Eigenleben führen ehe sie relativ stimmstabil sind und richtig bespielt werden können.

Ist das Instrument starken Temperaturschwankungen oder Änderungen der Luftfeuchtigkeit ausgesetzt – zum Beispiel wenn man im Winter aus der beheizten Wohnung ins Freie geht und die Gitarre im Gigbag dabei hat – hat dies natürlich Auswirkungen auf das Holz welches immer arbeitet und sich den klimatischen Gegebenheiten anpasst. Alleine aus diesem Grund kommt man um regelmäßiges Stimmen der Gitarrensaiten nicht herum.

Wie stimmstabil Gitarren sind hängt auch von ihrer Mechanik ab mit welcher man sie stimmt. Eine akustische Gitarre verfügt in der Regel über sechs Saiten und daher auch sechs Mechaniken an denen man drehen kann. Gute Mechaniken vereinen zwei Eigenschaften. Zum einen sind sie kinderleicht zu bedienen, also lassen sich leicht drehen und zum anderen halten sie ihre Position nachdem man sie loslässt perfekt.

Ein weiterer Faktor ist das Material der Saiten selbst welches nicht vor Veränderungen und dem normalen Verschleiß gefeit ist und der Saitenspannung über die Zeit etwas nachgibt. Alles in Allem sollte man seien Gitarre also laufend stimmen. Vor dem Spielen, während dem Spielen und wenn man die Muse hat auch danach noch einmal, auch wenn es hier nicht unbedingt nötig ist. Nach dem Aufziehen neuer Saiten kommt natürlich nicht drum herum. Wie genau man dabei vorgeht, erfährst du gleich.

Was man zum Stimmen braucht

Im Grunde genommen braucht man nur etwas, das einem sagt wie der Ton der jeweiligen Saite die man stimmen möchte zu klingen hat dass man diese genau so einstellen kann.

Also einen Referenzton. Hat man ein Keyboard oder ein perfekt gestimmtes Klavier kann man einfach den gewünschten Ton spielen und die Saite auf die selbe Tonhöhe bringen, sodass sie exakt so klingt. Auch online kann man sich Referenztöne abspielen lassen. Diverse Webseiten beinhalten Sound-Samples die man abspielen kann, auf YouTube gibt es Videos mit Anleitungen zum Stimmen von Gitarren die einem die Töne zum Stimmen vorspielen. Auch diverse Apps zum Stimmen gibt es. Man sollte diese Angebote (es ist gut dass es sie gibt) aber nicht regelmäßig nutzen sondern lernen, seine Gitarre selbst zu stimmen. Unabhängig von Internetverbindung und dem Vorhandensein von ausreichend Akkupower.

Was immer und überall funktioniert ist die Stimmgabel. Auch sie liefert im Grunde nur einen Referenzton. Nämlich ein A mit einer Frequenz von 440 Hertz. Schlägt man die Stimmgabel an, erklingt sie für eine gefühlte Ewigkeit. Genug Zeit, um die tiefe A-Saite (die zweite von unten) entsprechend zu stimmen, dass sie genauso klingt.

Die sinnvollste und am weitesten verbreitete Lösung kommt aber in Form eines Stimmgerätes daher. Ein Stimmgerät zeigt einem ganz genau an, ob ein Ton zu hoch oder zu niedrig ist. Manche Modelle bieten noch weitere Funktionen wie ein Metronom. Sehr oft sind Stimmgeräte in den Tonabnehmer einer Gitarre eingebaut und man hat sie so immer bei sich. Auch winzige Ausführungen zum Klemmen an die Kopfplatte der Gitarre gibt es. Jeder Gitarrist sollte ein solches Gerät haben und damit umgehen können.

Standard Tuning

Bevor man ein Saiteninstrument stimmt muss man natürlich zunächst einmal wissen, wie die einzelnen Saiten klingen müssen. Von der tiefsten bis zur höchsten Saite wären dies folgende Töne: E-A-D-g-b-e

Um sich das Standard Tuning besser einprägen zu können empfiehlt es sich, eine Eselsbrücke zu bauen. Hier ein Beispiel:

E in
A ffe
D der
G erne
B ananen
E rntet

Natürlich kann man sich auch etwas anderes ausdenken. Ein Klassiker ist zum Beispiel „Ein Anfänger der Gitarre braucht Eifer“.

Open Tunings

Jeder Saite wird beim Stimmen auf eine bestimmte Tonhöhe gebracht. Vom tiefston Ton im Bass der zur dicksten Saite gehört zum höchsten Ton im Diskant der zur dünnsten Saite gehört wären dies E-A-D-G-B-E. Man spricht hier vom Standard-Tuning. Am Anfang wird man dieses Tuning immer beibehalten und nach jedem Saitenwechsel wieder einstellen. Nimmt man Musikunterricht bei einem professionellen Lehrer oder kauft sich ein Gitarrenbuch für Einsteiger wird man mit dem Standard-Tuning die Anfänge machen und so das Gitarrespielen erlernen – ganz klassisch. Auch wenn man nur ein paar Akkorde lernen möchte um Lieder zu begleiten wird man darauf zurückgreifen. Wenn man eine oder mehrere Saiten einfach einen Ton oder zwei tiefer stimmt oder einen halben oder ganzen höher, dann ergeben sich daraus teilweise interessante Möglichkeiten und ganz neue Akkorde. Verändert man das Standard-Tuning spricht man von sogenannten Open Tunings. Am häufigsten macht man einfach aus der tiefen E-Saite ein D. Man bezeichnet dieses Tuning als Drop-D. Es gibt aber noch viele weitere bewährte und exotische Tunings. Sehr beliebt sind beispielsweise auch D-A-D-G-a-d oder E-H-E-g-h-d.

Anleitung: Und so wird’s gemacht

1. Mit der Stimmgabel

Eine Stimmgabel ist so richtig retro. Im Gegensatz zu einem modernen Stimmgerät ist sie aber nicht auf eine Stromversorgung in Form von Batterien angewiesen. Die Stimmgabel gibt exakt einen Ton aus. In der Regel handelt es sich dabei um den ein A mit 440 Hz. Der Ton entspricht der tiefen A-Saite die man an ihm ausrichten kann. Die restlichen Saiten werden dann wie folgt gestimmt. Man greift nun den fünften Ton der A-Saite. Genau so muss die D-Saite – also die dritte – klingen. Jetzt greift man den fünften Ton eben dieser Saite, also D-Saite. Es ist das g zu hören welches zur nächsten Saite gehört. Bei dieser wiederum spielt man nun aber nicht den fünften sondern den vierten Ton welcher der b-Saite entspricht. Auf dieser spielt man wieder den fünften Ton welcher das kleine e ist. Die tiefe E-Saite kann man zunächst so stimmen, dass sie etwas tiefer als die A-Saite ist. Nun richtet man sie an der hohen E-Saite aus – eben tiefer.

2. Mit dem Stimmgerät

Die wohl gebräuchlichste Methode ist die Verwendung eines Stimmgerätes. Diese nimmt das akustische Signal entweder über ein Mikrofon auf oder ein Kabel wie bei der E-Gitarre üblich. Nun gibt es entweder analog – heute aber fast immer digital auf einem Display aus, wie hoch der aktuell gespielte Ton ist. Man kann ihn nun ganz genau einstellen, da entweder grafisch, mit LEDs oder einem analogen oder digitalen Zeiger angezeigt wird ob der Ton genau stimmt oder eine Abweichung nach unten oder oben hat. Also Null = Perfekt oder zu hoch = Plus oder zu niedrig = Minus.

3. Stimmen mit Obertönen (Flageoletts)

Wenn man einen Finger ganz sanft an bestimmten Stellen auf eine Saite auflegt und diese dann mit der anderen Hand anschlägt, ertönt ein sogenannter Oberton der auch als Flageolett bezeichnet wird und einen glockenähnlichen Sound darstellt. Obertöne erklingen zum Beispiel bei der halben Saitenlänge direkt über dem 12. Bund. Die angeschlagene Saitenhälfte schwingt mit einer doppelt so hohen Frequenz. Auch bei einem Drittel oder einem Viertel der Länge der Saite erklingen Flageolett-Töne. Mit dem Anschlagen muss man den Finger der auf der Saite aufliegt natürlich anheben. Ähnlich wie beim Stimmen über den Referenzton A lässt sich auch mit dieser Methode die Gitarre stimmen. Allerdings halten wir sie für nicht ganz so Anfängerfreundlich und raten dann doch zum Stimmgerät.

Wenn Gitarren auch nach dem Stimmen noch schräg klingen

Wenn alle sechs Saiten akurat gestimmt sind und man beim Spielen trotzdem noch den Eindruck hat dass irgendwie alles schief klingt dann dann ist das Instrument vermutlich nicht bundrein. Oder aber einzelne Saiten sind schon wieder verstimmt. Betrachtet man das Griffbrett werden einem natürlich sofort die Bundstäbchen ins Auge fallen. Die Abstände werden immer geringer und die Töne immer höher wenn man die Saite davor niederdrückt um einen Ton zu erzeugen. Der Abstand der Bundstäbchen wird zuvor ganz genau berechnet. Die Saiten selbst können nur vom Sattel bis zur Stegeinlage frei schwingen. Auch diese Länge ist exakt berechnet und die handwerkliche Umsetzung muss ganz präzise sein, sonst klingt die Gitarre am Ende schief – auch wenn die leere Saite richtig gestimmt ist. Die Bundschlitze für die Stäbchen werden heute fast ausschließlich maschinell gesägt und man kann davon ausgehen, dass sie korrekt sitzen. Trotzdem kann es vorkommen, dass manche Töne nicht ganz „gerade“ klingen. Das komplexe Phänomen dahinter wollen wir aber in einem ausführlicheren Beitrag etwas näher beleuchten.

Übrigens: Wenn man die Saiten von tief nach hoch stimmt sind sie im Allgemeinen stimmstabiler als in umgekehrter Reihenfolge.