Wie du Gitarren Tabs (in 10 Minuten) lesen kannst

Noten sind oft der Grund, wieso man vor dem Erlernen eines Musikinstruments zurückschreckt. Eine Alternative oder vielmehr eine Ergänzung zur bekannten Notenschrift für die Gitarre ist die Tabulatur die von Gitarristen auch als „Tabs“ bezeichnet wird. Dahinter verbirgt sich eine bildhafte Notenschrift die so einfach zu lesen ist, dass sogar totale Anfänger sie in nur wenigen Stunden erlernen können. Wie man sie liest, ob es ausreicht nur Tabs zu lernen und wo genau die Unterschiede mit Vor- und Nachteilen zur Standard-Notenschrift liegen, verraten wir in diesem Beitrag.

Wieso Noten lesen lernen oft ein Problem ist

Noten schrecken viele ab und gerade Autodidakten die ein Instrument auf eigene Faust lernen möchten tun sich mit dem Noten lernen oft schwer. Kinder sind beim Noten lernen eindeutig im Vorteil. Werden sie im Musikunterricht langsam an das Notensystem herangeführt und beherrschen es, behalten sie das erlernte in der Regel ein leben lang und profitieren beim Musizieren und Erlernen eines Musikinstruments davon. Egal zu welchem Zeitpunkt sie sich später dazu entschließen sollten, Gitarre, Klavier, Geige oder ein ganz anderes Instrument zu lernen. Das Gelernte kommt ganz schnell wieder und man findet sich sehr schnell zurecht und kann darauf aufbauen und sich mit dem eigentlichen Instrument und seinem Repertoire widmen. Gerade Anfänger die Gitarre lernen wollen haben nicht selten keine Lust, sich mit dem Noten lernen zu befassen. Man kann nicht sofort durchstarten und auch wenn man sich bereits deutlich mehr zutraut erscheint es einem, als würde die Zeit still stehen und man auf der Stelle treten, weil man mit langweiligen Gitarrenbüchern und noch langweiligeren Songs an das Notenlesen herangeführt werden soll. Hier die gute Nachricht: Man muss nicht unbedingt Noten lesen und vom Blatt spielen können, um ein guter Gitarrist zu werden. Eine Alternative oder vielmehr Ergänzung die eine lange Tradition hat unter Saiteninstrumenten und weit verbreitet ist, ist die Tabulatur. Wie man Tabs liest, verraten wir im Folgenden.

Wie liest man Tabulatur?

Tabulatur zu lesen ist wahrlich keine Raketenwissenschaft. Wirft man einen Blick auf das Blatt mit den Tabs wird man zunächst feststellen, dass es dort sechs Linien abgebildet sind. Jede davon entspricht einer Saite der Gitarre. Dabei spielt es keine Rolle ob man eine Konzertgitarre, eine Westerngitarre oder eine E-Gitarre in den Händen hält. Die Linie ganz unten entspricht der tiefen Bass-Saite der Gitarre. Das ist die Saite mit dem größten Durchmesser, also die dickste der sechs Saiten. Die Linie ganz oben auf der Tabulatur entspricht der hohen E-Saite, also der dünnsten und höchsten einer Gitarre. Gelesen werden Tabs von links nach rechts.

Wie auf dem Bild zu erkennen ist, sind auf den sechs Linien – oder Saiten – der Tabulatur zahlen eingetragen. Diese Zahlen stehen für den Bund, über welchem die markierte Saite heruntergedrückt werden muss. Angenommen auf der Linie ganz unten steht eine 3 – dann muss man den dritten Bund der tiefsten Bass-Saite spielen. Steht dort eine 5, entsprechend den fünften Bund. Und wenn eine 0 eingetragen ist, entspricht dies der leeren Saite. Also in unserem Beispiel müsste man die tiefste Saite einfach anspielen ohne am Griffbrett einen Ton zu greifen. Sind mehrere Zahlen übereinander notiert, werden alle gleichzeitig gespielt. Wenn alle sechs Linien mit der Zahl 12 gekennzeichnet, spielt man den 12. Bund aller Saiten. In diesem Beispiel würde man mit dem Zeigefinger der Greifhand einen Barré-Griff anwenden und alle Saiten gleichzeitig nach unten drücken.

Wie beim Standard-Notensystem haben bei guten Tabs auch die Zahlen die für Noten stehen einen Hals, welcher wiederum mit einem Fähnchen oder Balken markiert sein kann die angeben, wie lange der Ton gespielt werden muss. Für halbe und ganze Noten gibt es meist keine eindeutige Markierung in der Tabulatur. Um das Ganze zu vereinfachen befindet sich in der Regel oberhalb von der Tabulatur noch einmal die gewöhnliche Notenschrift. So kann man immer schauen, wie man einen bestimmten Ton denn nun spielen soll und lernt dabei auch noch ganz nebenbei allmählich das Noten lesen im Standard-System.

Sind Buchstaben über den Zahlen angebgeben, stehen diese für die Notendauer. Also wie lange man einen Ton spielen soll. Sie sind praktisch eine Alternative zu den Notenhälsen mit Fähnchen und Balken. Hier in der Tabelle zeigen wir, wofür die Buchstaben stehen:

w = whole note = Ganze Note
h = half note = Halbe Note
q = quarter note = Viertel Note
e = eighth note = Achtel Note
s = sixteenth note = Sechzehntel Note

Eine weitere Besonderheit ist, dass links von der Tabulatur oft angegeben ist, wie man die Gitarre stimmen muss, sofern die Stimmung vom Standard-Tuning (E-A-D-G-B-E) abweicht. Den Saiten entsprechend von unten nach oben. Besonders oft kommen bestimmte Tunings wie Drop-D vor. Hier wird einfach die tiefe E-Saite um eine ganze Note tiefer gestimmt. In der Tabulatur wäre das Tuning dann entsprechend eingetragen mit D-A-D-G-B-E (von unten nach oben). Manchmal findet sich das Tuning aber auch nicht in den Tabs selbst sondern ist oben eingetragen unter dem Titel des Songs oder wo es eben Platz hat.

ASCII Tabs

ASCII Tabs hat sicher jeder schon einmal gesehen im Internet. Sie kommen ganz ohne Notenlängen und andere Zeichen aus die näher definieren würden, wie man ein Stück spielen muss. Es sind nur Striche und Zahlen. Damit kommt man im Prinzip nur zurecht, wenn man einen Song bereits sehr gut kennt und weiß, wie er zu spielen ist. Ansonsten kann man damit nicht viel anfangen.

Ansonsten kennt auch die Tabulatur noch diverse Sonderzeichen die sich im Laufe der Zeit etabliert haben um möglichst präzise zu definieren, wie man das Stück zu interpretieren hat.

h steht für Hammer On. Gemeint ist damit, dass man einen Ton nicht greift und dann anspielt indem man die Saite zupft, sondern einfach mit einem Finger der Greifhand auf den Bund ‘hämmert’. Nicht zu leicht, nicht zu stark, sondern genau richtig, sodass der Ton erklingt.

Zieht man den Finger nun wieder ab, ergibt sich daraus ein Pull Off, welcher in der Tabulatur mit p gekennzeichnet wird.

Weit verbreitet ist auch das x. In der Regel steht es für einen gedämpften oder stummen Ton. Wenn beispielsweise in der Tabulatur 6 Saiten mit einer 0 markiert sind, spielt man alle Saiten an. Ist hingegen eine mit einem x gekennzeichnet, hält man auf die entsprechende Saite einen Finger, dass sie gedämpft wird. Man drückt sie aber nicht nach unten auf den Bund, sondern dämpft sie nur, dass sie stumm bleibt. Alternativ kann ein x auch für eine Perkussion stehen. Dabei wird beispielsweise mit dem Handballen auf die Gitarrendecke geklopft. Auch Slaps werden mit einem x angegeben. Hier schmettert man die Saiten auf die Bundstäbe und lässt sofort wieder los, sodass kein Ton erklingt, sondern eine Art Snare Drum die an ein Schlagzeug erinnert.

Ansonsten gibt es noch Slides von oben nach unten oder umgekehrt. Hier wandert der Finger der gerade einen Ton spielt einfach über das Griffbrett, sodass der Ton höher oder tiefer wird.

Eine zackige Linie entspricht einem vibrato (vib).

Wichtig beim Strumming ist natürlich auch, ob man von oben nach unten oder von unten nach oben strummen soll. Dies wird gekennzeichnet mit einem V für Aufwärts oder einem kleinen Schildchen das an ein Straßenschild erinnert, welches für abwärts steht.

Am Ende kann Tabulatur sehr kreativ verwendet werden und ohne ein fixes Korsett zum Notieren für Musik. Wichtig ist nur, dass man auch weiß, welches Zeichen wofür steht.

Die Vor- und Nachteile von Tabulatur

PRO:
Simpel aufgebaut
Leicht zu lesen
Schnell erlernt
Eigene Songs kann man ganz leicht notieren mit Tabs
Man spielt, was man vor sich hat – egal wie die Gitarre gestimmt werden muss

NACHTEILE:
Tabulatur eignet sich nur für Zupfinstrumente
Man kann mit der Standard-Notenschrift etwas präziser und eindeutiger werden
Nicht alle Songs und Stücke (vor allem klassisch) gibt es in Tabulatur

Am Ende überwiegen die Vorteile ganz klar. Wir empfehlen jedem, sich auch mit Noten zu befassen und diese nach Möglichkeit zu erlernen. Aber wer schnelle Fortschritte erzielen möchte und kein Interesse am Notenlernen hat, der kann durchaus zur Tabulatur greifen und damit auch einen extrem hohen Level erreichen, wie viele YouTube-Stars zeigen, welche ebenfalls ohne Noten zu lernen – oft nach Gehör und mithilfe von Videos – eine virtuose Technik mit einem sehr anspruchsvollen Repertoire erreicht haben.

Tabulatur von Hand schreiben oder mit Gitarrensoftware?

Zum schnellen Notieren von Ideen eignen sich blanko Tabulatur Vordrucke die man im PDF-Format unter anderem hier downloaden kann.

In der Regel nimmt man aber zahlreiche Änderungen und Korrekturen vor, schreibt um, komponiert neu, entwickelt seine Musik weiter bis man zufrieden ist und damit man nicht ständig neu anfangen muss oder zum Radiergummi greifen, bietet es sich an, spezielle Gitarrensoftware für Tabulatur zu verwenden.

Unser Tipp:
TuxGuitar: Kostenlose Open Source Software
Guitar Pro: Falls du es ernst meinst und mehr Funktionen und Features benötigst

10.000e Tabs zum kostenlosen Download findest du übrigens auf Ultimate Guitar.

Wenn du es ganz genau wissen willst, kannst du auch an unserem Kurs teilnehmen. Er zeigt dir Schritt für Schritt in 10 Lektionoen, wie du Tabulatur lesen kannst und eigene Songs in Tabs niederschreibst.